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Die Sache mit Terra-Canis ...DogsKitchenTerraCanis.html

Matthias Engelmann

Die Bedeutung der Ernährung


In einer in Holland durchgeführten Studie an 100 Kindern, die an der so genannten Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) litten, wurde die Ernährung der betroffenen Kinder über einen Zeitraum von zunächst 5 Wochen derart umgestellt, dass ausschließlich selbst und frisch zubereitete Mahlzeiten auf der Basis von Fleisch, Reis und Gemüse in verwendet wurden. Die Ergebnisse  waren geradezu verblüffend: über 60 Kinder (> 60 %) waren bereits nach 5 Wochen symptomfrei und benötigten keinerlei medikamentöse Therapie mehr. Schnell konnten die „Auslöser“ der vermeintlich psychischen Erkrankung ausgemacht werden: es handelte sich um Nahrungsbestandteile (unter anderem synthetische Zusatzstoffe) aus den zuvor in der Ernährung der Kinder verwendeten Nahrungsmitteln. Der Grund dafür, dass ich an dieser Stelle auf die Studie verweise ist der: wir wissen oder glauben zu wissen, wie wichtig die Ernährung ist, und welchen Stellenwert sie eigentlich in unserem Leben haben sollte. Mediziner wissen und erleben in der täglichen Praxis dass eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen ursächlich auf Ernährungsfehler zurückzuführen, wenigstens teilweise an ihrer Entstehung beteiligt oder für ihr Voranschreiten verantwortlich ist. Trotzdem machen wir sie, die Fehler. Wir konsumieren Fastfood und Konserven ohne uns Gedanken darüber zu machen, dass derartige Nahrungsmittel nicht einmal annähernd einer gesunden und hochwertigen Ernährung entsprechen. Wir lassen uns von Werbeversprechen und Marketingstrategien davon überzeugen dass „sterile“, ver- und bearbeitete Lebens- oder Futtermittel eine gesunde und nahrhafte Alternative sind. Ist es nicht sonderbar, dass wir Nahrung „sterilisieren“ um anschließend den Nutzen von Prä- und Probiotika (lebensfähige Keime!) als Nahrungsergänzung zu diskutieren und hervorzuheben? Die ADHS-Kinder beweisen eines: ohne in irgendeinen Extremismus Verfallen zu wollen –oder müssen- sollten wir die Art unser Ernährung ebenso wie die unserer Tiere in vieler Hinsicht nicht unbedingt komplett überdenken, aber zumindest einige gängige Praxen und vorherrschende Meinungen kritisch hinterfragen. Gut ist nicht zwingend teuer. Billig muss nicht zwingend ungesund sein. Und nicht alles was gesund aussieht oder als solches vermarktet und angeboten wird ist es auch. Ebenso wenig ist alles im Glas oder in der Dose komplett nutzlos oder gar gefährlich und kontraproduktiv. Und in vielen Fällen sollten wir wieder lernen, auch auf die Ernährung bezogen öfter einmal ganz einfach die Körperregion (mit)entscheiden zu lassen, wo’s landet: den Bauch.


Warum eine Ernährungsberatung?


Eine steigende Zahl von Hunde- und auch Katzenhaltern verspürt heute das durchaus berechtigte und begründete Bedürfnis (s. Einleitung), über die Verfütterung von kommerziellen und industriell hergestellten „Fertigfuttermitteln“ hinaus ihre Schützlinge zusätzlich zu den erhältlichen Produkten oder gar ausschließlich mit selbst zubereiteten Futterrationen zu versorgen. Die Hersteller so genannter Alleinfuttermittel sind gesetzlich dazu verpflichtet, bei der Zusammensetzung der Futtermittel dafür Sorge zu tragen, dass diese in ihrer Zusammen-

setzung, beziehungsweise ihrem Nährstoffprofil die jeweiligen Nährstoffbedürfnisse der „Ziel“tierart erfüllen, um sicherzustellen, dass es selbst bei einer ausschließlichen („Allein“-) Fütterung zu keinerlei Unter- oder auch zu ebenfalls möglichen gravierenden Überversorgung von einzelnen Nährstoffen kommen kann. Dass Fertigfutter diesem Anspruch oftmals keineswegs gerecht werden zeigen Futtermittelanalysen leider immer wieder. Nichtsdestotrotz lassen sich Fertigfuttermittel bezogen auf Qualität, Herstellungsverfahren und Inhaltsstoffe auf keinen Fall über einen Kamm scheren. Schwarze Schafe gibt es in der Futtermittelbranche mit ihrem gewaltigen Umsatz wie in jeder anderen ebenso wie verantwortungsbewusste und um Qualität bemühte Hersteller und Anbieter.


Ein 60 Kg schwerer Mensch benötigt in etwa 1000 Milligramm (mg) Kalzium pro Tag, den er über die Nahrung aufnehmen muss. Ein 60 Kg schwerer Hund benötigt ebenso wie wir Kalzium, doch sind es bei ihm um die 3000 mg pro Tag, also in etwa die dreifache Menge. Sprechen wir vom Spurenelement Zink, so liegt der Tagesbedarf eines Hundes in etwa beim sechsfachen Bedarf eines gleichgewichtigen Menschen. In diesem Vergleich wird deutlich, dass die Nährstoffe (z.B. Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate sowie Mineralstoffe, Vitamine etc.) die der Organismus zum Überleben benötigt von einigen Ausnahmen (z.B. Vitamin C, das Hunde und Katzen selbst herstellen können oder Taurin, das im Gegensatz zu Hunden bei Katzen in ausreichender Menge über die Nahrung aufgenommen werden muss) abgesehen für Hunde, Katzen oder Menschen zwar dieselben sind. Die benötigten Mengen unterscheiden sich jedoch teils erheblich. Jeder Nährstoff muss dabei nicht unbedingt pro Tag oder gar pro Ration gerechnet aber doch längerfristig (Wochen, Monate, je nach Speicherfähigkeit des Organismus) in einer bestimmten Mindest- und möglichst nicht über eine Höchstmenge hinaus aufgenommen (zugeführt) werden, einige Nährstoffe sollten optimalerweise in einem bestimmten Verhältnis zueinander (z.B. die Mengenelemente Kalzium und Phosphor)  in der Nahrung enthalten sein. Entsprechende Berechnungen und Nährstoffkalkulationen lassen sich weder über den Daumen schätzen noch erahnen. Und hier kommt die Ernährungsberatung ins Spiel. Mithilfe spezieller Tabellen und Kalkulationsprogramme lassen sich Nährstoffkalkulationen und –analysen, Rationsberechnungen und Rationsüberprüfungen (-anpassungen) für selbst zubereitete Futterrationen vornehmen, die Fehler aufzeigen und wichtige und wertvolle Hinweise auf sinnvolle Ergänzungen/Korrekturen liefern. Programme dieser Art sind zudem übrigens durchaus in der Lage, auch kommerzielle Fertigfuttermittel im Hinblick auf ihre Zusammensetzung zu überprüfen und mögliche Abweichungen von einer bedarfsgerechten Zusammensetzung aufzuzeigen.


Die verschiedenen Fütterungspraxen und –philosophien


Sie gleichen regelrechten Philosophien, die verschiedenen, (nicht nur) von Tierhaltern praktizierten Fütterungsstile und oftmals allzu dogmatisch vertretenen und vehement verteidigten Ansichten. Im Wesentlichen geht es dabei um die folgenden Methoden:


-die ausschließliche oder zumindest hauptsächliche Verwendung von Fertigfuttermitteln. Die Vorteile liegen auf der Hand. Vertraut man den Herstellern (!), enthalten diese Futtermittel alles, was der Hund oder die Katze benötigt, hinzu kommt ein wesentlicher Zeitvorteil für den Tierhalter. Die Nachteile: die Verpackungsangaben lassen sich nur zu einem sehr kleinen Teil nachvollziehen oder gar überprüfen, wichtige Angaben zu Herstellungsverfahren, Lagerung, Qualität der verwendeten Rohstoffe oder von Inhaltsstoffen sind freiwillig und nicht immer werden Zutaten verwendet, die auf dem Speiseplan von Hunden oder Katzen tatsächlich etwas zu suchen hätten, könnten diese selbst bestimmen. Und dass bestimmte Zutaten (z.B. Stärke in Form von Getreide, Sojaprotein etc.) selbst in größeren Mengen von vielen Tieren problemlos vertragen werden ist kein wirklicher Grund zur Annahme, dass sie dem Ideal einer physiologischen, „artgerechten“ Ernährung tatsächlich entsprechen....


-die Selbstzubereiter verwenden z.B. gekochtes Fleisch, Fisch etc., gegartes Gemüse, Milchprodukte wie Hüttenkäse, Quark, verschiedene Öle etc. Die Vorteile liegen auch hier auf der Hand: der Tierhalter hat die Kontrolle über die Herkunft und Qualität der verwendeten Zutaten, er selbst kann entscheiden, was genau die Tiere erhalten. Die Nachteile finden sich zum einen im Zeitaufwand, zum anderen in gängigen Fehlern, die auch aus der Annahme heraus gemacht werden, dass gesunde Nahrungsmittel aus der eigenen Ernährung ebenso geeignet für die Ernährung unserer Haustiere seien. Fehlversorgungen und Mangelerscheinungen bis hin zu verschiedenen Erkrankungen/Vergiftungen etc. können die Folgen sein.


  1. -BARF (aus dem Englischen bone and raw food oder auch  biologically appropriate raw foods). Hinter diesem zu Deutsch  als biologisch artgerechte Roh(oder Rohkost)fütterung bezeichnetem Begriff verbirgt sich die auf der ausschließlichen Verwendung und Fütterung roher und frischer Zutaten (Fleisch einschließlich Knochen, Gemüse, Kräuter, Nüsse, Öle etc.) basierende Fütterungspraxis mit dem Ziel, die natürliche Ernährung der wölfischen (oder kätzischen) Vorfahren unserer Haushunde (und Katzen) zu imitieren und somit eine besonders „artgerechte“ Ernährung zu erzielen. Die Vorteile sind offensichtlich: sachkundig und unter Berücksichtigung verschiedener Sicherheitsmaßnahmen (Kotuntersuchungen, Entwurmungsbehandlungen etc.) durchgeführt bietet das BARFen tatsächlich die womöglich „artgerechteste“ und gesündeste Ernährung unserer Hunde (eingeschränkt für Katzen). Die Nachteile liegen neben einem nicht unerheblichen Zeitaufwand in einigen gesundheitlichen Risiken (Übertragung von Keimen, Parasiten, Verletzungen durch Knochensplitter etc,). Zudem kann es auch hier bei nicht sachgerechter und –kundiger Zusammenstellung der Rationen zu Fehlversorgung (Unter-, Überversorgung) mit wichtigen Nährstoffen und allen möglichen medizinischen Folgen kommen.

-die „Kombinierer“ wie z.B. die so genannten Teilbarfer kombinieren die o.g. Fütterungsmethoden auf verschiedene Weisen.


Häufige Fehler


Besonders selbst zubereitete (gekocht, frisch, BARF) Futterrationen müssen zwar in Bezug auf ihre Nährstoffzusammensetzung, also ihr Nährstoffprofil in der Tagesration keineswegs  ausgewogen sein. Über längere (mehrere Tage, Wochen) Zeiträume gesehen jedoch muss stets auf eine möglichst optimal ausgewogene Zusammensetzung der Nahrung im Hinblick auf die je nach Tierart (Katze, Hund) unterschiedlichen Nährstoffbedürfnisse geachtet und diese gegeben sein, wenn Fehlversorgungen, Unter- oder auch Überversorgungen durch verschiedene Nährstoffe mit allen möglichen (tier)medizinischen Konsequenzen und Gefahren vermieden werden sollen.


Gängige Fütterungsfehler sind beispielsweise:

-die fütterungsbedingte Unter- oder Überversorgung mit den Mengenelementen Kalzium oder Phosphor, ein falsches Verhältnis der beiden zueinander in selbst zubereiteten Rationen.

-eine Unter- oder auch Überversorgung mit bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren etc.

-ein zu hoher Energiegehalt (Gefahr von Fettleibigkeit mit allen möglichen Konsequenzen).


Sinn, Ziel und Zweck einer fachkundigen Ernährungsberatung durch entsprechend geschulte oder spezialisierte Tierärzte besteht darin, die oben genannten Fütterungsfehler und die daraus resultierenden teils erheblichen gesundheitlichen Risiken und Gefahren zu vermeiden, auf mögliche Risiken auch für den Menschen (BARF) hinzuweisen und diese möglichst gering zu halten wenn nicht zu eliminieren. Weitere Indikationen s.u.


Welche Tiere profitieren von einer Ernährungsberatung?


Wir bieten Ihnen eine umfangreiche Beratung überwiegend für Hunde und Katzen. Dabei muss zwischen gesunden und kranken Tieren unterschieden werden, letztere benötigen spezielle „medizinische“ Diäten. Generell ist eine Ernährungsberatung immer dann sinnvoll, wenn bestimmte medizinische Probleme bereits bekannt sind (Z.B. Erkrankungen der Nieren, Leber oder Bauchspeicheldrüse, Magen-Darmerkrankungen, Fettsucht, Futtermittelallergien, Zuckerkrankheit und viele andere mehr).

Darüber hinaus sind Rationsüberprüfungen überaus hilfreich bei der Überwachung der Wachstumsgeschwindigkeit von Welpen (Wachstumskurve, s.u.) oder ganz einfach in allen Fällen, in denen  der Wunsch seitens des Tierhalters besteht, die Ernährung seiner Schützlinge selbst in die Hand zu nehmen, abwechslungsreich und gesund zu gestalten und etwas mehr die Kontrolle über den  Ernährungsplan seines Tieres zu bekommen. Fettleibige Tiere profitieren von der Berechnung spezieller Reduktionsdiäten, bei der es darauf ankommt, bei einer Zielführenden (Gewichtsreduktion) Kalorien(energie)reduktion der Futterrationen dafür zu sorgen, dass dennoch alle wichtigen Nährstoffe in Bedarfsdeckender Menge enthalten sind und kein Nährstoffmangel entsteht. Entsprechende Reduktionskurven geben die angestrebte optimale (nicht zu schnelle) Gewichtsreduktion über einen bestimmten Zeitraum (Gewichtsreduktion um maximal 1-1,5 % des Körpergewichts pro Woche) vor.


Wie funktioniert eine Ernährungsberatung? Rationsberechnungen, Rationsüberprüfungen


Eine tierärztliche Ernährungsberatung beinhaltet in der Regel zunächst eine gründliche klinische (Allgemein)untersuchung des “Patienten” inklusive der Feststellung seines Ernährungszustandes (Körpergewicht und –form, usw.). Im Anschluss daran findet ein Gespräch statt mit dem Ziel, die Gründe (seitens des Tierhalters) für die Ernährungsberatung zu erfassen. Ein spezieller, vorab erhältlicher Ernährungsfragebogen (s. download), den der Tierhalter bequem zuhause ausfüllen kann hilft bei der Erfassung aller, für den Tierarzt relevanten Daten. Mithilfe des Fragebogens können im Anschluss die entsprechenden, computergestützten Berechnungen und Kalkulationen vorgenommen werden, der Tierhalter erhält Ausdrucke von Wachstumskurven, Reduktionskurven oder speziellen Rezepturen für die Herstellung eigener Futterrationen.



Zum Fragebogen (PDF - Download)



Die Leistungen im Einzelnen


Wir bieten Ihnen:

-die Berechnung und Erstellung von Wachstumskurven für Welpen. Ziel ist es, ein zu schnelles Wachstum aufgrund von (z.B. einer) Futter(energie)überversorgung zu verhindern, die zu gravierenden gesundheitliche Konsequenzen insbesondere bei großwüchsigen Rassen führen kann. Welpen können nur schwer „zu dick“ gefüttert werden, wohl aber zu schnell wachsen, was für den Tierhalter nicht deutlich sichtbar und somit unbemerkt verläuft. Die Wachstumskurve gibt in etwa das Idealgewicht des Welpen in jeder Lebenswoche während der Hauptwachstumsphase vor. Entsprechende Rationsanpassungen können bei Abweichungen nach oben oder unten zu Korrekturzwecken vorgenommen werden.

-Berechnung und Erstellung von Reduktionsdiäten (s.o.) zur Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas)

-Rationsberechnungen und –überprüfungen selbst zubereiteter Futterrationen (Barf, Kochen, Kombination).

-Erstellung und Berechnung spezieller Ausschlussdiäten zur Feststellung einer möglichen Futtermittelallergien sowie zur Fütterung nach erfolgter Diagnose.

-Berechnung und Erstellung medizinische Diäten zur Fütterung und Unterstützung der Behandlung bei verschiedenen Erkrankungen (Nieren, Leber, Magen-Darmtrakt, Diabetes, Erkrankungen des Bewegungsapparates  usw.)

-Überprüfung bestimmter Fertigfuttermittel und Futterergänzungsmittel auf deren Zusammensetzung und Eignung zur Nahrungsergänzung oder bei ausschließlicher (Alleinfuttermittel) Fütterung.


Für die Berechnung und Erstellung einer Wachstumskurve benötigen wir:

- Geburtsdatum, Geschlecht und Rasse des Welpen

- sein Ausgangsgewicht zum Zeitpunkt der Berechnung der Kurve

- im Idealfall (bei reinrassigen Hunden) das Gewicht des gleichgeschlechtlichen (normalgewichtigen) Elterntieres (bei Mischlingen muss das ungefähre Gewicht im ausgewachsenen Zustand geschätzt werden.































Übergewicht und Fettleibigkeit bei Hunden


Wie Sie erfahren, ob Ihr Hund an Übergewicht oder gar Fettleibigkeit (Fettsucht, medizinisch Adipositas) leidet erfahren Sie hier:


Was kostet die Ernährungsberatung?


Die Kosten für eine umfangreiche Ernährungsberatung richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) und bewegen sich je nach Zeitaufwand und Zielsetzung/Indikation zwischen 70 und 140 EUR zzgl. der gesetzlichen Mwst. für eine umfangreiche Erstkonsultation. Folgeberechnungen, Rationsanpassungen oder geringfügige Änderungen liegen entsprechend darunter.


Die Kosten für das Erstellen einer Wachstumskurve für Welpen liegen bei etwa 20 Euro.



Für Hunde unverträgliche oder giftige Nahrungsmittel, die insbesondere bei „Selbstzubereitern“ nicht verwendet werden dürfen


Milch und Milchprodukte


Entscheidend dafür, ob oder in welchen Mengen Milch oder verschiedene Milchprodukte vertragen werden, ist der Gehalt an Milchzucker (Laktose). Erwachsenen Hunden fehlt das zur Verdauung des Milchzuckers erforderliche Enzym Laktase. Fehlgärungen im Dünndarm können nach der Aufnahme größerer Mengen Milch oder Sahne unter anderem zu Durchfällen führen. Mengen, die in der Regel problemlos vertragen werden, sind:


Milch: maximal 20 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht

Sahne (Kondensmilch): maximal zehn Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht


Anders sieht es bei Milchprodukten wie Quark, Joghurt, Sauermilch, Buttermilch oder Kefir aus. Durch die bakterielle Milchsäuregärung (Fermentierung) wird der Großteil des Milchzuckers zu der von Hunden in der Regel problemlos vertragenen Milchsäure umgewandelt. Derartige Milchprodukte können also gut und einfach zur Ernährungsergänzung oder auch einmal ganz einfach als schmackhafte und in der Regel gerne angenommene Abwechslung angeboten werden. Ausgenommen sind natürlich diejenigen Hunde, die nachweislich allergisch auf Milchprodukte reagieren.


Rohe Stärke


Ungekocht sind stärkehaltige Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Nudeln oder Reis praktisch unverdaulich und können zudem zu Fehlgärungen im Dickdarm und dadurch verursachten Durchfällen führen. Grundsätzlich sollten derartige, unter anderem für die Zubereitung von Ausschlussdiäten verwendete Zutaten daher ausreichend lange gekocht werden. (Das Kochwasser von Kartoffeln entsorgen!)


Kohlgemüse


Auch beim Hund gehören Blähungen zu den möglichen Folgen der Aufnahme von Kohlgemüse, insbesondere rohem. Am besten keine großen Mengen und nur gekocht füttern.


Rohes Eiweiß (Eiklar)


Rohes Eiweiß aus Eiern enthält mehrere hitzeinstabile (durch Kochen inaktivierte) Substanzen, von denen eine die Eiweißverdauung hemmt, die andere (Avidin) das besonders für die Haut wichtige Vitamin H (Biotin) bindet. Verdauungsprobleme und Mangelerscheinungen könnten bei häufiger Fütterung oder Fütterung großer Mengen die Folge sein (sicher nicht, wenn ab und zu ein rohes Ei gefüttert wird). Einigen Autoren zufolge sind die benötigten Mengen, damit es zu Mangelerscheinungen kommt, derart hoch, dass dieses Problem im Grunde genommen nicht existiert, zumal Eigelb selbst viel Biotin enthält. Gekocht hingegen werden Eier auf jeden Fall hervorragend vertragen und bieten bei Bedarf gar eine „vegetarische“ Eiweißquelle.


Hülsenfrüchte


Bohnen, Linsen, Kichererbsen sowie Sojaprodukte enthalten ebenso wie rohes Eiklar einen Stoff, der die Eiweißverdauung beeinträchtigt. Zudem enthalten Hülsenfrüchte Kohlenhydrate, die erst in gekochtem Zustand verwertbar werden. Grüne Bohnen enthalten für Mensch und Hund gleichermaßen giftiges Phasin, welches erst nach fünfzehn- bis zwanzigminütigem Kochen zerstört wird. Gekocht eignen sich Hülsefrüchte hervorragend als mögliche Zutat von Hundefutterzubereitungen.


Mögliche Übertragung von Krankheitserregern und Infektionen durch Futtermittel


Rohes Schweinefleisch kann den Erreger der sogenannten Pseudowut oder Pseudotollwut, das für den Hund tödliche Aujeszky-Virus, übertragen. In Deutschland ist die Krankheit zwar seit vielen Jahren nicht mehr aufgetreten, aber schließlich wird Schweinefleisch auch aus anderen Ländern importiert und besonders in Osteuropa ist das gefährliche Virus auch heute noch verbreitet. Schweinefleisch und alle Schweinefleisch enthaltenden Produkte also stets gekocht füttern. Aus den genannten Gründen sollte auch auf den – sei er auch noch so verlockend – Schinkenknochen verzichtet werden.


Vorsicht: Unter Wildscheinen ist das Virus auch in Deutschland heute noch verbreitet. Zudem können Parasiten (Würmer und Toxoplasmen) und Keime wie beispielsweise Salmonellen durch die Aufnahme rohen Fleisches übertragen werden. Besonders rohes Geflügel gilt als Risikofaktor.


Die Verfechter der artgerechten Rohkostfütterung (BARF) führen an, dass einmal abgesehen von den möglichen Problemen durch rohes(!) Schweinefleisch Hunde weniger als der Mensch unter Infektionen, zum Beispiel durch Salmonellen, zu leiden haben, da sie in der Regel nicht daran erkranken. Vorsicht ist trotzdem geboten, denn Hunde können ohne selbst an Salmonellen zu erkranken zu Trägern werden, die die gefährlichen Keime verbreiten und somit auch zu einer Infektionsgefahr für den Menschen werden. Aus diesen Gründen wird übrigens generell von einer Rohfütterung abgeraten, wenn sich immungeschwächte (HIV, Chemotherapie etc.) Personen im selben Haushalt befinden. Auch aus meiner Sicht spricht nichts gegen das Füttern (nicht aller) roher Zutaten (ausgenommen Schweinefleisch unbekannter Herkunft), wenn bestimmte Regeln eingehalten werden. Im Gegenteil, es handelt sich um eine artgerechte Hundeernährung, die lediglich solide Grundkenntnisse der Materie sowohl im Hinblick auf die Risiken und Gefahren als auch auf die notwendige Ausgewogenheit in Bezug auf die Nährstoffzusammensetzung wie bei jeder selbst zubereiteten Hundenahrung erfordert. Im Übrigen sind viele kommerziell erhältliche, industriell hergestellte Futtermittel entgegen der Bekundungen der Hersteller im Hinblick auf ihre Nährstoffzusammensetzung keineswegs immer ausgewogen und somit zur ausschließlichen Fütterung von Hunden geeignet. Dies zeigen Qualitätsprüfungen immer wieder aufs Neue. Ausnahmen bestätigen jedoch auch hier die Regel.


Symptome


Typische (allgemeine Vergiftungs-)Symptome, die bei den meisten Vergiftungen zusätzlich zu den im Folgenden einzeln beschriebenen, eher spezifischen Krankheitszeichen auftreten können, sind Übelkeit, Erbrechen, Speicheln, Durchfall sowie Atem- und Herz-Kreislauf-Probleme. Bauchschmerzen, Krämpfe, Fieber, Erregungszustände oder auch gedämpfte Zustände lassen sich ebenfalls häufig beobachten.


Alkohol


Alkohol hat sicher in der Hundeernährung ohnehin keinen Platz. Das darin enthaltene Ethanol wird von Hunden (noch) schlechter als von uns Menschen vertragen. Bereits zwei Gläser Wein können für einen 15 Kg schweren Hund tödlich sein. Ein einziges Glas „Schnaps“ (Hochprozentiges) kann einen drei Kilogramm schweren Hund töten.


Schokolade, Kaffee und schwarzer Tee


Kaffee, schwarzer Tee und Schokolade enthalten Methylxanthine (Koffein im Kaffee, Theobromin im Kakao und dadurch erhöhter Gehalt in dunkler Schokolade). Methylxanthine sind hochgradig giftig für Hunde. 20 Gramm Bitter- beziehungsweise dunkle oder Kochschokolade pro Kilogramm Körpergewicht können bereits tödlich sein! Das entspricht einer Tafel für einen fünf Kilogramm schweren Hund!


Zwiebeln und Zwiebelgewächse (Knoblauch)


Der in Zwiebelgewächsen, zu denen auch Lauch und – besonders wichtig – Knoblauch gehören, enthaltene Wirkstoff N-Propyl-Disulfit ist hochgradig giftig für Hunde. Dies gilt sowohl für rohe als auch für gekochte Zwiebeln oder Knoblauch. Eine Zwiebel mittlerer Größe kann bereits ausreichen, um zur Vergiftung bei einem zehn bis 20 Kilogramm schweren Hund zu führen. Fünf bis zehn Gramm Zwiebeln pro Kilogramm Körpergewicht können tödlich sein, das heißt 50 bis 100 Gramm Zwiebeln können einen zehn Kilogramm schweren Hund das Leben kosten! Der Wirkstoff führt zur Zerstörung der roten Blutkörperchen (Hämolyse) und somit je nach Dosis zu einer lebensbedrohlichen Blutarmut (Anämie). Achtung: Akitas und Shibas (Hunde der Rassen Akita Inu und Shiba Inu) sind besonders anfällig für die Entwicklung der „hämolytischen“ Anämie!


Weitrauben und Rosinen


Auch Weintrauben haben sowohl in ihrer ursprünglichen als auch in der getrockneten Form (Rosinen) keinen Platz in der Hundeernährung. Der genaue Wirkstoff ist unbekannt. Bereits zehn bis 30 Gramm Weintrauben oder drei Gramm Rosinen pro Kilogramm Körpergewicht können beim Hund zu schweren Vergiftungen mit Erbrechen, starken Bauchschmerzen und Lethargie innerhalb einiger Stunden führen. Schlimmstenfalls kann darauf innerhalb von 24 bis 72 Stunden ein tödliches Nierenversagen folgen.


Obstkerne und Bittermandeln


Obstkerne („Steine“) und Bittermandeln enthalten Cyanverbindungen (Blausäure und Cyanide). Hiervon genügen bereits zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht für eine Vergiftung. In Folge kann es zu einem Atemstillstand kommen.


Macadamianüsse


Auch Macadamianüsse sind giftig für Hunde. Die in ihnen enthaltenen cyanogenen Glykoside können bereits ab einer Menge von circa vier Nüssen bei einem 15 Kilogramm schweren Hund zu Vergiftungserscheinungen wie Steifheit oder Problemen beim Laufen führen. Zudem können Leberschäden entstehen.


Was tun bei einem entsprechenden Verdacht?


Falls Sie bemerken, dass Ihr Hund etwas potenziell oder vermeintlich Gefährliches aufgenommen hat, verfahren Sie wie folgt: Füttern Sie den Hund nicht mehr! Kontaktieren Sie umgehend Ihre Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst. Kündigen Sie Ihren Besuch an und notieren Sie vor allem, falls möglich, was genau vom Hund aufgenommen wurde, wann (Uhrzeit) und wie viel. Falls es sich um etwas Undefinierbares handelt, versuchen Sie eine Probe des Materials aufzusammeln, die Sie für eine eventuelle Analyse mit in die Praxis oder Klinik nehmen können.


Innerhalb eines bestimmten Zeitfensters besteht von tierärztlicher Seite aus die Möglichkeit, durch die Verabreichung sogenannter Emetika (Brechmittel) den Hund erbrechen zu lassen und somit möglichst viel des zuvor Aufgenommenen wieder aus dem Hundekörper zu bekommen. Sind die Giftstoffe bereits vom Organismus aufgenommen worden, werden in der Regel eine Infusionstherapie (Flüssigkeitszufuhr mit dem Ziel, einer möglichst raschen Entgiftung) sowie weitere symptomatische Behandlungen eingeleitet und durchgeführt.


Aus:

Wenn Futter krank macht - Futtermittelallergien und Futtermittelunverträglichkeiten bei Hunden

Dr. Martin Bucksch

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